Gurken, dünn geschnitten
Radieschen, fein in Scheiben
½ Kopf junger Kohl, fein gehobelt
4–5 hartgekochte Eier
Kichererbsen-Microgreens, etwa 30–50 g
3 EL griechischer Joghurt (10 % Fett)
1 TL Senf
1 Knoblauchzehe, gerieben
Salz nach Geschmack
⭐ Zubereitung
Eier hart kochen, schälen, schneiden.
Gurken, Radieschen und Kohl mischen.
Eier dazugeben.
Microgreens darüberstreuen.
Dressing aus Joghurt, Senf, Knoblauch und Salz verrühren und untermischen.
Sofort servieren.
Es gibt Gerichte, die einen überraschen, ohne dass man es plant oder darauf vorbereitet ist, und dieser Gurkensalat gehört für mich genau in diese Kategorie. Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich früher nie ein riesiger Salatfan. Nicht weil ich Salat nicht mochte, sondern weil er für mich immer etwas war, das man „dazu“ isst, nicht „stattdessen“. Aber manchmal verändert sich das Leben genau an den Tagen, an denen man etwas ganz Einfaches versucht, ohne große Erwartungen. Und genau so ist dieser Salat entstanden – nicht aus einer Laune heraus, sondern aus einer echten Notwendigkeit, etwas Leichtes, Gesundes und trotzdem Sättigendes zu finden, das nicht wieder in der Kategorie „irgendwie gesund, aber unbefriedigend“ landet.
Ich erinnere mich sehr gut an diesen Tag. Es war einer dieser frühen Abende, an denen man noch nicht genau weiß, ob man eigentlich Hunger hat oder nur müde ist. Ich war von einem langen Tag zurückgekommen – nicht spektakulär, nicht stressiger als sonst, aber eben einer dieser Tage, an denen einem die Kleinigkeiten so viel Energie rauben: die Wäsche, die nie endet, die Nachrichten, die beantwortet werden wollen, der Abwasch, der irgendwie schneller wieder voll ist als leer. Und man möchte einfach nur etwas essen, das gut tut, nicht beschwert, und das trotzdem ein kleines Gefühl von Genuss bringt.
Ich öffnete also den Kühlschrank und sah – wie so oft – alles und gleichzeitig nichts. Eine Gurke lag ganz hinten, leicht beschlagen, daneben Radieschen, die ich eigentlich für ein anderes Rezept gekauft hatte, aber irgendwie keine Lust darauf hatte. Ein halber Kopf junger Kohl stand in einem Glas Wasser, damit er frisch bleibt, und daneben lagen ein paar Eier, die ich am Vortag hart gekocht hatte, weil ich dachte, ich könnte sie unterwegs essen, was ich natürlich nicht getan hatte. Und dann sah ich die kleinen Microgreens, die ich neulich aus Neugier gekauft hatte. Ich weiß nicht, warum, aber in diesem Moment sah ich all diese Zutaten nicht mehr einzeln, sondern irgendwie bereits als Schüssel, als etwas Frisches, Buntes, Knackiges.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, wenn man etwas sieht und plötzlich weiß: „Genau das will ich jetzt essen.“ Es war nichts Besonderes, aber es fühlte sich richtig an. Also nahm ich die Gurke heraus, wusch sie und begann, sie in feine Scheiben zu schneiden. Der Duft von frischem Gemüse ist etwas, das mich immer sofort beruhigt. Er erinnert mich an meine Großmutter, wie sie früher Gurken aus dem Garten holte, mit dieser Leichtigkeit, mit der sie alles gemacht hat. Sie war eine von diesen Frauen, die nie kompliziert gekocht haben, aber alles schmeckte trotzdem wie etwas Besonderes.
Als die Gurke geschnitten war, griff ich nach den Radieschen. Ich liebe Radieschen, obwohl ich sie oft vergesse. Sie haben diese leichte Schärfe, die einen wach macht, aber gleichzeitig frisch schmeckt. Und sie geben jedem Salat eine schöne Farbe, was für mich – auch wenn ich es nicht immer zugebe – absolut wichtig ist. Ich finde, Essen sollte schön aussehen, nicht perfekt, aber so, dass man beim Hinschauen schon Lust darauf bekommt.
Dann war da der Kohl. Junge Kohlblätter sind etwas, das ich erst spät entdeckt habe. Ich weiß, viele Menschen denken bei Kohl an schwere Wintergerichte oder an Gerichte, die stark riechen, aber junger Kohl ist das genaue Gegenteil. Er ist leicht, knackig und fast süßlich, wenn man ihn fein schneidet. Ich hobelte ihn also in sehr dünne Streifen und gab ihn zu den Gurken und Radieschen. Allein diese Mischung sah schon so frisch aus, dass ich einen Moment stehen blieb und sie einfach anschaute, als hätte ich gerade etwas viel Aufwendigeres gemacht.
Und dann kamen die Eier dazu. Ich weiß, dass manche Menschen sagen, Eier gehören nicht in Salat, aber für mich gehören sie absolut dazu. Sie geben ein Gefühl von Wärme, auch wenn sie kalt sind. Sie machen satt, ohne zu beschweren, und sie verbinden die Zutaten miteinander, als würden sie dem Salat sagen: „Keine Sorge, ich halte euch zusammen.“ Ich schnitt sie in Scheiben und legte sie oben drauf, ganz vorsichtig, als wären sie ein kleiner Schatz.
Als Nächstes nahm ich die Microgreens. Es war das erste Mal, dass ich sie in einem Salat verwendete. Sie sahen so zart aus, fast wie kleine Kräuter, aber intensiver. Ich streute sie über den Salat, und in diesem Moment sah die Schüssel aus wie etwas, das man auf einem Food-Blog oder Pinterest sehen würde – bunt, gesund, lebendig. Und ich musste ein bisschen lachen, weil ich nicht erwartet hatte, dass ausgerechnet dieser improvisierte Salat so schön aussehen würde.
Aber das Wichtigste fehlte noch: das Dressing. Ich mag keine komplizierten Dressings. Ich finde, wenn man frische Zutaten hat, sollte das Dressing einfach sein. Ich nahm also griechischen Joghurt, gab einen Teelöffel Senf dazu, etwas geriebenen Knoblauch und Salz. Ich rührte es mit einer kleinen Gabel, bis es glatt war, und probierte. Es war würzig, cremig, frisch. Genau richtig. Ich goss es über das Gemüse, rührte alles vorsichtig um und sah, wie sich die Farben miteinander vermischten, ohne an Kraft zu verlieren.
Dann setzte ich mich an den Tisch, nahm die Schüssel mit, und schon der erste Bissen war eine kleine Überraschung. Dieser Salat war nicht einfach nur ein Salat. Er war knackig, frisch, cremig und trotzdem leicht. Jeder Bissen war anders – manchmal knackige Gurke, manchmal scharfes Radieschen, manchmal ein Stück Ei, manchmal ein Hauch Kohl. Und die Microgreens gaben dem Ganzen diesen kleinen, aber feinen Geschmacksschub. Ich merkte, wie sich mein Körper entspannte, als ich aß. Es war eines dieser Essen, bei denen man merkt, dass sie einem guttun, wirklich guttun.
Und genau an diesem Abend dachte ich mir: Warum essen wir nicht öfter so? Warum warten wir immer auf besondere Anlässe, um etwas Gutes zu essen? Warum glauben wir, dass gesunde Mahlzeiten kompliziert sein müssen? Dieser Salat war so einfach, so schnell und trotzdem so gut, dass ich fast ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich ihn nicht früher entdeckt hatte.
Seit diesem Tag mache ich ihn regelmäßig. Nicht jeden Tag, aber oft genug, dass ich ihn schon fast im Schlaf zubereiten könnte. Und jedes Mal schmeckt er ein bisschen anders – weil die Gurken anders sind, die Radieschen anders, der Kohl mal feiner, mal gröber geschnitten, die Eier mal weicher, mal härter gekocht. Aber er schmeckt immer richtig. Immer leicht. Immer wie eine kleine Pause für den Körper.







